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| BZ - Wolfenbütteler Zeitung und Anzeiger |
03.03.2001 | Freundschaft, aber kein Familienersatz |
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Freundschaft, aber kein Familienersatz WOLFENBÜTTEL. In Wolfenbüttel hat die Biffy-Zeit begonnen. Hinter diesem Namen verbirgt sich kein Pausensnack, sondern ein Familien und Generationen übergreifendes Patenschaftsprogramm, das in englischer Langform "Big friends for youngsters" und in der Übersetzung etwa "große Freunde für Jugendliche" heißt. Träger ist, finanziell unterstützt von der Firma Nokia, die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), örtlicher Partner ist die Freiwilligenagentur Jugend, Soziales, Sport. Gemeinsam mit dem Landkreis gaben Landrat Burkhard Drake, Astrid Hunke-Eggeling und Ulrich Markurth von der Freiwilligenagentur gemeinsam mit dem Kreis-Jugendschutzbeauftragten Stefan Heltzel und dem DKJS-Vertreter Martin Bock den Startschuss für das kürzlich von Schirmherrin Professor Rita Süssmuth und der Popsängerin Nena in Berlin präsentierte Vorhaben. In den USA erprobt Biffy, das in den USA seit mehr als 100 Jahren auf ehrenamtlicher Basis angeboten und von Sponsoren finanziert wird, richtet sich an junge Menschen im Alter zwischen zehn und 16 Jahren. Ehrenamtliche Helfer, die älter als 18 Jahre sind, können für sie die Patenschaften übernehmen. Das wesentliche Geschenk an das "Patenkind" ist Zeit. Einmal je Woche sollen sich Jugendlicher und Pate treffen, Dauer: drei bis vier Stunden. " In diesem Alter hat man viele Fragen an die Umwelt und orientiert sich", wusste Martin Bock aus eigener Erinnerung zu berichten und ergänzte: "Ich hätte gern so einen Freund gehabt, um mit ihm zu reden." Dabei soll das Gespräch und das Zuhören zwischen den Freunden von Seiten des Paten nicht belehrend sein, sieht Biffy vor. Vielmehr soll gemeinsam nach Lösungen gesucht und ein Ergebnis erforscht werden. Anregungen zur Eigenständigkeit soll der Pate geben. Gefragt sein soll diese Verbindung aber nicht nur bei Problemen. Gedacht sind die Treffen auch, um gemeinsam etwas zu erleben, Konzerte, Kinobesuche, Ausflüge sind denkbare Aktivitäten. Eventuell entstehende Kosten trägt dabei das Projekt Biffy, da die Patenschaft keine finanzielle Komponente haben soll. Was Biffy nicht sein soll, ist der Ersatz für eine Familie, machte Ulrich Markurth, Geschäftsführer der Freiwilligenagentur deutlich. Eine Patenschaft sei immer nur als Ergänzung zu verstehen und richte sich an alle Jugendlichen, die Spaß daran hätten. Allerdings sehen die Biffy-Ideen auch vor, sich besonders um die Jugendlichen zu kümmern, bei denen das Risiko des gesellschaftlichen und sozialen Abgleitens besteht, zum Beispiel durch zerrüttete Familienverhältnisse. Ausdrücklich nicht in Frage kommen Jugendliche, die sich bereits in einer Maßnahme des Jugendamtes befinden oder durch Drogenkonsum aufgefallen sind. Rehabilitationsarbeit ist nicht vorgesehen. Besonderen Wert legt Biffy laut Markurth auf die Auswahl der ehrenamtlichen Paten. Wer sich als "big friend" meldet, muss sich einem umfangreichen Auswahlverfahren stellen, das unter anderem auch die Einreichung eines polizeilichen Führungszeugnisses oder eines Gesundheitsnachweises beinhalten kann. Die Eltern müssen zustimmen An der Kennenlernphase sind außer der Freiwilligenagentur auch der Präventionsbeauftrage des Landkreises beteiligt. Es muss ein Fragebogen ausgefüllt werden, Gespräche folgen, an denen auch die Eltern des Jugendlichen teilnehmen, deren Zustimmung wichtige Voraussetzung ist. Haben sich die beiden neuen Freunde schließlich kennen gelernt, wird die Patenschaft weiter von Fachleuten der örtlichen Agentur betreut. Markurth abschließend: "Wir müssen im Vorfeld alles tun, damit wir den Jugendlichen nicht ein große Enttäuschung organisieren." Von Hans-Dietrich Sandhagen | ||